Istversteuerung

Istversteuerung für Selbstständige, Freelancer:innen und Gründer:innen

Als Selbstständige:r oder Freelancer:in hast Du bei der Umsatzsteuer die Wahl zwischen Soll- und Istversteuerung. In diesem Ratgeber erfährst Du alles Wichtige über die Istversteuerung, ihre Unterschiede zur Sollversteuerung, wer sie anwenden darf und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringt.

Was ist die Istversteuerung?

Die Istversteuerung, auch als Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten bekannt, ist eine Methode der Umsatzsteuerabrechnung. Dabei entsteht die Umsatzsteuer erst in dem Monat, in dem Du das Geld von Deinem Kunden tatsächlich erhalten hast. Anders als bei der Sollversteuerung musst Du die Umsatzsteuer also nicht sofort nach Rechnungsstellung ans Finanzamt abführen.

Gesetzliche Grundlage der Istversteuerung

Die Istversteuerung ist im § 20 UStG geregelt. Grundsätzlich gilt für alle Unternehmer:innen die Sollversteuerung (§ 16 UStG), bei der die Umsatzsteuer bereits bei Rechnungsstellung fällig wird. Mit einem Antrag beim Finanzamt kann die Istversteuerung jedoch genehmigt werden.

Unterschiede zwischen Ist- und Sollversteuerung

  • Zeitpunkt der Steuerentstehung: Bei der Sollversteuerung entsteht die Umsatzsteuer mit Rechnungsstellung oder Leistungserbringung, bei der Istversteuerung erst bei Zahlungseingang.
  • Liquiditätswirkung: Die Istversteuerung entlastet Deine Liquidität, da Du die Umsatzsteuer nicht vorfinanzieren musst.
  • Buchhaltung: Bei der Istversteuerung ist der exakte Zahlungseingang buchhalterisch relevant.

Wer darf die Istversteuerung anwenden?

Die Istversteuerung kann von Unternehmer:innen beantragt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Umsatzgrenze: Dein Umsatz lag im Vorjahr unter 800.000 €.
  • Buchführung: Du bist nicht bilanzierungspflichtig, also z. B. EÜR-Unternehmer:in.
  • Kleinunternehmer: Für Kleinunternehmer:innen nach §19 UStG ist die Umsatzsteuerpflicht aufgehoben; Ist- oder Sollversteuerung entfällt.
  • Antrag beim Finanzamt: Die Istversteuerung muss offiziell genehmigt werden.

Vorteile der Istversteuerung

  • Verbesserter Cashflow: Du musst die Umsatzsteuer erst abführen, wenn die Zahlung eingegangen ist.
  • Einfache Handhabung für kleine Unternehmen: Weniger Liquiditätsstress, besonders bei unregelmäßigen Zahlungseingängen.
  • Geeignet für junge Unternehmen: Hilft, finanzielle Engpässe in der Anfangsphase zu vermeiden.

Nachteile und Risiken der Istversteuerung

  • Planungsunsicherheit: Verzögerte Zahlungen der Kunden können die Steuerzahlung verschieben.
  • Komplexe Abgrenzungen: Teilzahlungen und Abschlagsrechnungen müssen korrekt gebucht werden.
  • Neuregelung ab 2028: Vorsteuerabzug bei Kunden ist erst nach Zahlung der Rechnung möglich, wenn Du Istversteuerer bist.

Praktische Tipps für Freelancer:innen

  • Prüfe Deine Zahlungsbedingungen und kläre lange Zahlungsziele ab.
  • Führe die Buchhaltung genau, um Zahlungseingänge korrekt zu erfassen.
  • Plane den Wechsel zur Istversteuerung bewusst und achte auf die Umsatzgrenze.
  • Kommuniziere mit Kunden über die Istversteuerung, besonders wenn diese Vorsteuer abziehen wollen.
  • Ziehe Steuerberater:innen hinzu, falls internationale Leistungen oder Teilleistungen relevant sind.

Beispielrechnung

Du stellst eine Rechnung über 10.000 € netto zzgl. 19 % USt = 12.000 € brutto:

  • Sollversteuerung: Umsatzsteuer (2.000 €) ist im Monat der Leistungserbringung fällig, auch wenn der Kunde später zahlt.
  • Istversteuerung: Umsatzsteuer (2.000 €) wird erst fällig, wenn der Kunde bezahlt, z. B. zwei Monate später.

Kurzer Entscheidungsleitfaden

  • Hast Du Cashflow-Probleme? → Istversteuerung kann helfen.
  • Umsatz > 800.000 €? → Istversteuerung in der Regel nicht möglich.
  • Bist Du Kleinunternehmer:in? → Umsatzsteuerpflicht entfällt, Ist/Soll irrelevant.
  • Große B2B-Kunden? → Beachte die Neuregelung ab 2028; informiere Deine Kunden über die Istversteuerung.

FAQ zur Istversteuerung

Was ist die Istversteuerung?

Bei der Istversteuerung wird die Umsatzsteuer erst fällig, wenn Du das Geld von Deinem Kunden tatsächlich erhalten hast, im Gegensatz zur Sollversteuerung, bei der die Steuer bereits mit Rechnungsstellung entsteht.

Wer darf die Istversteuerung anwenden?

Unternehmer:innen mit einem Umsatz unter 800.000 € im Vorjahr, die nicht bilanzierungspflichtig sind, können die Istversteuerung beim Finanzamt beantragen. Für Kleinunternehmer:innen ist sie nicht relevant.

Welche Vorteile hat die Istversteuerung?

Die Istversteuerung verbessert den Cashflow, da die Umsatzsteuer erst bei Zahlungseingang fällig wird. Sie ist besonders hilfreich für kleine Unternehmen oder Freelancer:innen mit unregelmäßigen Zahlungseingängen.

Welche Nachteile gibt es bei der Istversteuerung?

Nachteile sind die Planungsunsicherheit bei verspäteten Kundenzahlungen, komplexere Buchhaltung bei Teilzahlungen und die neue Regelung ab 2028, dass Kunden die Vorsteuer erst nach Zahlung abziehen können.

Überzeuge Dich selbst! Melde dich in wenigen Sekunden kostenlos bei Papierkram.de an und teste die zahlreichen Funktionen einfach selbst.
Jetzt anmelden!

Die branchenübergreifende Buchhaltungslösung

Erfahrungsberichte von Nutzer:innen, die in den Bereichen Sozialpädagogik, Film, Fernsehen, Rundfunk, Organisation, Design, Fotografie und Webdesign arbeiten.

Coaching

Design

Fotografie

Webdesign

Sprecher

Handwerk

Bekannt aus

ct
t3n
RTL
Gründerszene
deutsche startups
cci
it business

Neueste Bewertungen bei Trusted Shops